Brexit und seine Folgen — eine Einschätzung

Nun, nach über zwei Wochen nach dem Votum der Briten wagen wir einen Ausblick auf die Folgen für die Wirtschaft Britanniens und der EU, insbesondere Deutschlands.

Auch wenn derzeit seitens der Politik, oder besser der beleidigten und enttäuschten Einheits-Europa-Träumer, harte Töne angeschlagen werden, die fordern, dass die Austrittsverhandlungen umgehend starten sollen. Auch wenn die Presse so tut, als wären nunmehr die Briten geschockt, von dem „was sie angestellt haben“. Einen Nachteil wird der Austritt für Großbritannien nicht haben. Und auch die geschürte Hoffnung hinsichtlich eines Zerfalls von Großbritannien wird nichts anderes als ein Traum der Europa-Anhänger sein.

Brexit-Folgen für Großbritannien

Die momentane Situation wird für die Wirtschaft Großbritanniens nicht leicht. Schließlich ist viel ungewiss und die führenden Köpfe der Brexit-Bewegung, will man unserer Presse Glauben schenken, sind genauso abgetaucht wie die EU-Befürworter.

Dieses Vakuum macht das Handeln momentan vielleicht etwas schwerer. Aber auf die anstehende 2-Jahres-Austrittsverhandlungsfrist gesehen, wird dies ein kleines Intermezzo sein, über das die Briten lachen werden.

Denn innerhalb der 2 Jahre, die man den Austritt und die zukünftigen Bedingungen verhandelt, wird noch viel Wasser die Themse herunterfließen. Die Briten werden anfangs ein paar verschmerzbare Kröten schlucken müssen, damit die EU-Verhandlungsseite den anderen zeigt: “ Seht, wer die EU verläßt verzichtet auf Vorteile!“ Aber auch, weil die Regierung in London momentan nicht weiß, wieder Weg in die alleinige Zukunft aussehen wird.

In zwei Jahren hat sich die Aufregung jedoch soweit gelegt, dass keinen mehr die wichtigen Themen interessieren. So wird am Ende ein ausgetretenen Großbritannien stehen, mit einem Freihandelsabkommen und freien Personenverkehr, ähnlich der Abkommen mit der Schweiz.

Am Ende wird Großbritannien in seiner jetzigen Größe, also mit Schottland, Wales und Nordirland zwar von der EU de jure unabhängig sein, de facto wird es niemand aber merken, da sich weder für den Handel noch den Tourismus irgendetwas ändern wird.

Brexit-Folgen für die EU

Die momentan geforderten Reformen sind nur ein Strohfeuer. Sie werden in ein paar Monaten nicht mehr angesprochen, geschweige diskutiert oder gar umgesetzt. Man wird bei dem eingeschlagenen Trott bleiben. Schließlich lief es ja bisher gut.

Für die wirtschaftlich starken Mitgliedsstaaten, und damit für Deutschland, werden höhere Kosten kommen. Großbritannien ist der viertgrößte Zähler in der EU. Diese wegfallenden Zahlungen müssen andere auffangen. Und zwar insbesondere Deutschland. Dies wird dazu führen, dass die Steuern und Abgaben steigen werden. Hierbei sind zwei Wege denkbar:

  1. Man wird im Sinne der „Harmonisierung“ die Umsatzsteuer auf das südeuropäische Niveau anpassen, was bedeutet, dass wir mindestens mit einheitlichen 23% Umsatzsteuer, wenn nicht noch mehr, rechnen müsse

oder

  1. Man wird die vor Jahren schon einmal diskutierte EU-Steuer einführen, was zwar alle Verbraucher in der EU in gewisser Weise belasten wird, aber die Wirtschaft in den schwächeren Volkswirtschaften derart stark belasten wird, dass diese Staaten nicht aus so bald aus der Wirtschaftskrise herauskommen werden.

Egal welchen Weg man gehen wird, am Ende leider der Bürger und Konsument und schwächt so die EU-Wirtschaft. Dabei werden neben den Bürgern die KMU leiden, während die multinationalen Konzerne von den heutigen Veränderungen nicht voeö spüren werden.

Fazit

Während uns unisono die Presse und Politik weiß machen will, dass die Briten die großen Verlierer ihrer Entscheidung sind, sehe ich sie letzte Endes als Gewinner da stehen. Dank der während der Austrittsverhandlungen entstehenden Abkommen wird sich für die Briten nichts ändern. Sie werden eine Stellung erlangen, die der Schweiz nicht unähnlich ist. Also die Vorteile der EU genießen, sich dabei hinischtlich Normen und Regeln die Rosinen herauspicken und das wichtigste: Sie müssen dabei nichts nach Brüssel überweisen.

Verlierer sind die anderen, die in der EU verharren. Auf die kommen höhere Kosten durch steigende Steuern. Und von denen wird wieder die Hauptlast vom Konsument und hart arbeitenden Steuerzahler und von den regional, höchstens national, tätigen KMU, die vom Binnenmarkt ohnehin nichts haben, getragen

Die multinationalen Konzerne dagegen werden aufgrund der bilateralen Abkommen der EU mit den Briten den Brexit zwar heute und morgen spüren, sobald die Abkommen jedoch ratifiziert sind, ist für diese alles bei Alten.

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Über Andreas Behling

Dipl.-Kfm. Andreas Behling studierte in Berlin an der Freien Universität Berlin Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing und Produktionswirtschaft. Schon in den 1990er Jahren beschäftigte er sich mit dem Internet, erstellte Websites und sammelte Erfahrungen in Bereich der Online-Werbung. Nach dem Studium war er mit dem Online-Marketingcontrolling eines großen Versandhauses, später mit dem Risikomanagement (interne Revision, Controlling) des stationären Handels und einem mittelständischen deutschlandweit tätigen Handwerksbetrieb betraut. Zu dem hat er Erfahrungen im Fuhrparkmanagement, im Direktvertrieb sowie dem Personalmanagement gesammelt.Vernetzen Sie sich mit Andreas Behling über LinkedIn

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