Die 2 wesentlichen Fragen, um auf dem Lehrstellenmarkt die besten Azubis zu finden

Azubis zu finden, tun sich viele Betriebe schwer. Nicht selten findet der wichtige Mittelstand keine geeigneten Kandidaten und muss sich mit Azubis rumschlagen, die eigentlich gar nicht für den Ausbildungsberuf geeignet sind und daher Nerven, Zeit und erheblichen zusätzlichen Aufwand kosten, um sie erfolgreich zum Lehrabschluss zu begleiten. Aber was Besseres hat man nicht gefunden.

Die Klagen sind mannigfaltig. Man hört sie immer wieder. Aber mir stellen sich hier immer wieder zwei grundlegende Fragen:

  • Warum sollte ein potentieller Lehrling bei einem bestimmten Unternehmen anfangen?

Und

  • Was hat man als Unternehmen denn getan, um überhaupt einen (oder mehrere) passenden Lehrling zu finden?

Nicht selten stellt man bei der Beantwortung der Fragen fest, dass die klagenden Geschäftsführer nicht unbedingt klare Antworten geben können.

Warum sollte ein potentieller Lehrling bei einem bestimmten Unternehmen anfangen?

Mitarbeiter — wie auch Lehlingsgewinnung – ist heutzutage nicht mehr so einfach. Die Unternehmen stehen hier in starker Konkurrenz zu einander. Daher ist ein sogenanntes Personalmarketing nötig. Und das muss sich auch auf die Gewinnung von Lehrlingen erstrecken.

Seien Sie doch einmal ehrlich zu sich selbst. Wie bekannt ist ihr Unternehmen im Deutschland? Im Bundesland? In der Region? Im Landkreis? In der Gemeinde? Und wenn eine Bekanntheit vorliegt, wie ist diese? Und betrachten wir mal die unternehmerische Tätigkeit. Das was das Unternehmen eigentlich macht? Ist das bekannt? Ist die Branche bekannt?

Das sind die Fragen, die Sie sich stellen müssen. Warum sollte jemand in Ihrem Unternehmen mit der Lehre anfangen und nicht zum Mitbewerber gehen? Warum zu Ihnen und nicht zum Weltkonzern?

Viele Schüler stehen am Anfang ihres Berufslebens vor der Frage, was sie die nächsten knapp 70 Jahre machen wollen, um Geld zu verdienen. Und wenn sie sich entschieden haben, suchen sie sich die möglichen Lehrherren aus. Schreiben Ihre Bewerbungen an die Firmen, die Sie oder Ihre Eltern oder vielleicht andere Familienmitglieder kennen. Vielleicht gibt jemand im Sportverein oder gar ein Schulfreund einen Tipp. Wie wahrscheinlich ist es, dass dabei Ihre Firma genannt wird?

Wichtig bei der Lehrlingsgewinnung ist als ein Bekanntheitsgrad und ein guter Ruf. Aber nicht nur das. Sie müssen auch Lehrlingen etwas bieten. Genauso wie den „normalen“ Mitarbeitern. Der potentielle Azubi muss gelockt werden. Mit Anreizen!

„Dieses Auto fährt der beste Azubi“ Nicht nur Werbung für das Unternehmen, sondern auch für die Ausbildung und Anreiz für die nächsten Jahrgänge sich ins Zeug zu legen

Vor einiger Zeit fiel mir auf dem Parkplatz vor dem Schulzentrum (Gymnasium, Realschule, Berufsschule) ein Wagen eines örtlichen Bauschreiners (oder Dachdeckers oder norddeutsch Zimmermanns) auf. Hier wurde bekannt gemacht, dass der Wagen vom Lehrherrn dem besten Azubi zur Verfügung gestellt wurde. Jetzt überlegen Sie mal, was das für eine Wirkung auf der Schüler der Realschule oder des Gymnasiums hat: „Wow, da will ich arbeiten. Da bekomme ich ein eigenes Auto, wenn ich mich anstrenge!“ So wurde ein Anreiz geschaffen, sich dort zu bewerben und dabei gleich mal der Bekanntheitsgrad gesteigert! (Und ganz nebenbei der Wettbewerb unter den bestehenden Lehrlingen erhöht- Wer will nicht der beste Lehrling sein?)

Was hat man als Unternehmen denn getan, um überhaupt einen (oder mehrere) passenden Lehrling zu finden?

Oft scheitert das Finden eines passenden Azubis an Ihnen selbst. Was tun Sie denn, um den richtigen zu finden? Sind Sie aktiv? Oder suhlen Sie sich lieber im Selbstmitleid, dass die Creme de la Creme von den Konzernen abgeschöpft werden und Sie nur noch das Beste des „Ausschusses“ (man möge mir dieses Wort verzeihen) versuchen können herauszufiltern?

Wichtig ist, Sie werden aktiv! Einfach nur warten, dass sich ein potentieller Azubi bei Ihnen meldet, ist genauso erfolgsgekrönt, wie Sie neue Kunden gewinnen ohne entsprechende Werbung.

Wenn Sie davon ausgehen, dass es reicht, bei der Arbeitsagentur den Ausbildungsplatz zu melden, dann sollten Sie sich nicht wundern und mit dem Klagen aufhören. Sie bekommen so nur das, was übrigbleibt. Bewerbungen von denen, die bisher nichts gefunden haben und halbherzig und demotiviert ihrer x. Wahl eine Bewerbung zu senden. Die eigentlich nicht mal im Traum auf Sie gekommen wären.

Daher werden Sie aktiv! Gehen Sie auf Ausbildungsmessen! Besuchen Sie Schulen! Stellen Sie Ihre Branche, Ihre Firma den jungen Menschen aktiv vor. Machen Sie sich bekannt! Bieten Sie nicht nur Ausbildungsplätze. Biete Sie Praktikumsplätze — auch auf die „Gefahr“ hin, dass der Praktikant total ungeeignet ist. Aber über diesen Weg finden Sie auch gute, geeignete junge Menschen. Und wenn Sie einen gefunden haben, dann vergessen Sie nicht, demjenigen vielleicht am Endes des Praktikums einen Lehrvertrag anzubieten. Auch wenn der Praktikant erst nächstes Jahr anfangen könnte.

Nur so finden und binden Sie die guten, die geeigneten an sich. Und der Nebeneffekt: Der neue Azubi redet über Sie. „Mensch, stell Dir vor, bei XYZ habe ich in den Sommerferien ein Praktikum gehabt. Die haben mir danach gleich eine Lehrstelle angeboten!“ Sie werden bekannt! Irgendwann reißen sich die Schüler vielleicht sogar um die Ferienjobs/Praktikumsplätze, um eine Lehre bei Ihnen anfangen zu können.

Warum wir das hier sagen? Ganz einfach: Die wenigsten Unternehmen in Ihrer Region sind so bekannt , dass sofort ein junger Mensch auf die Idee kommt, sich auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Oft scheitert es daran, dass viele gar nicht wissen was die Betriebe eigentlich machen oder was es eigentlich für Berufe dort gibt. Oder welche Berufe es überhaupt gibt.

Glauben Sie nicht? Dann mal eine Frage: Was macht ein Mechatroniker und wo arbeitet der? – Ihnen fällt sicherlich gleich der Kfz-Mechatroniker ein. Vielleicht denken Sie noch in Richtung IT-Hardware/-Infrastruktur. Aber Mechatroniker gibt es weit mehr! So nennt beruf.me die Branchen Automatisierungstechnik, Maschinenbau, Werkzeugbau, Schienenfahrzeugbau, Kraftfahrzeugbau, Luft- und Raumfahrzeugbau, Feinmechanik, Optik, Informations- und Telekommunikationstechnik, Medizinische Technik, Orthopädie, Zahntechnik. Aber es gibt auch noch Mechatroniker für Klima und Kälte, für Betriebstechnik, für Energie- und Gebäudetechnik, für Umwelttechnik … Ähnliche Auffächerungen gibt es bei den Kaufleuten und Fachverkäufern.

Daher: Machen Sie die Berufe in Ihrem Unternehmen bekannt! Denn woher sollen die angehenden Azubis wissen, dass es diesen oder einen ähnlichen auch bei Ihnen gibt.

Fazit

Wenn Sie auf dem Lehrstellenmarkt gegen die Mitbewerber bestehen und die beste Lehrlinge für sich gewinnen wollen, müssen Sie ein Azubi-Marketing auf die Beine stellen. Nur wenn es Ihnen gelingt sich einen guten betrieblichen Namen — also Bekanntheit — aufzubauen, sich in der Region (auch bei Nichtkunden) in die Köpfe zu implantieren, die Branche und Berufe im Unternehmen nach außen bekannt zu machen, dann werden Sie auf mittlere Sicht die Chance bekommen, gute Azubis zu gewinnen.

Was Sie nicht dürfen, ist darauf zu vertrauen, das die Kammern, Innungen oder die Arbeitsagentur diese Arbeit übernimmt. Sie müssen aktiv werden!

Blog-Themen des Artikels: Mitarbeiterführung Schlagworte: , , , , . Bookmarke den Permalink.
Kopieren Sie diesen Short-Link und verwenden Sie Ihn beim Posten und Teilen: http://ku-li.de/tZCZa  

Teilen Sie diesen Beitrag mit anderen ...


Artikel kommentieren