Was ist Erfolg?

Wir kennen den Begriff alle: Erfolg. Aber was ist das genau? Also wie definiert man Erfolg? Und vor allem ist der auch messbar?

Von Erfolg wird landauf, landab gesprochen. Da redet man davon, dass die Fußball-Nationalmannschaft bei der letzten Weltmeisterschaft erfolglos war. Da redet man von erfolgreichen Verhandlungen irgendwelcher Politiker auf irgendwelchen Meetings. Oder von erfolgreichen Geschäftsjahren einzelner Unternehmen. Aber woran wir den Begriff festmachen, wie wir ihn definieren, das sagt niemand so genau.

Und daran wollen wir uns heute mal wagen.

Der Begriff Erfolg

Wie schon den einleitenden Sätzen zu entnehmen wird in unserem Sprachgebrauch „Erfolg“ vielfach gebraucht. Daher haben wir uns einmal auf die Suche nach bauchbaren Begriffsdefinitionen gemacht.

Wikipedia

Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen gesetzter Ziele. Das gilt sowohl für einzelne Menschen als auch für Organisationen. Bei Zielen kann es sich um eher sachliche bzw. materielle Ziele, wie zum Beispiel Einkommen, oder um emotionale bzw. immaterielle Ziele, wie zum Beispiel Anerkennung, handeln.

https://de.wikipedia.org/wiki/Erfolg

Eine sehr weitgreifende und allgemeingültige Definition. Leider fehlt hier unseres Erachtens etwas, auf das wir später eingehen.

Gablers Wirtschaftslexikon

Erfolg, das i.d.R. in monetären Größen erfasste bzw. ausgedrückte Ergebnis des Wirtschaftens

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/erfolg-33857

Gabler, oder besser Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber vom Institut für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management, wählt bei der Definition den betriebswirtschaftlich monetären Ansatz. Aus diesem ergibt sich, dass nur dann von Erfolg gesprochen werden kann, wenn das Ergebnis in Geldwert gefasst werden kann. Damit kann man z.B. nicht von Erfolg reden, wenn erreichte Ziele nicht monetär messbar sind oder gemessen werden.

Auch hier fehlen unseres Erachtens ein wichtige Faktoren zur Erfolgsbestimmung, denn nicht einmal auf das Ziel bzw. Zielfestlegung wird hier hingewiesen.

Duden

positives Ergebnis einer Bemühung; Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung

https://www.duden.de/rechtschreibung/Erfolg

Es handelt sich, genauso wie Wikipedia, um eine allgemeine Definition von Erfolg, wobei hier genauso wie bei den anderen beiden Definitionen ein Faktor fehlt

Wirtschaftslexikon24.com

Erfolg ist die Differenz zwischen den Erträgen und den Aufwendungen einer Wirtschaftsperiode.

http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/erfolg/erfolg.htm

Interessant ist, dass von allen hier zusammengetragenen Definitionen der nicht unwichtige Faktor Zeit („Wirtschaftsperiode“) in die Begriffserklärung einfließt. Dafür lässt man hier das Ziel offensichtlich außen vor und spricht lediglich davon, dass Erfolg dann vorliegt, wenn der der Ertrag größer als der Aufwand ist.

Fazit

Der Begriff Erfolg wird schon alleine auf Basis des Hintergrundes des Definierenden unterschiedlich festgelegt. Controller sehen Erfolg anders als Manager, Journalisten anders als Sportler oder Politiker. Jeder von uns versteht unter Erfolg etwas anderes. Dennoch haben alle Definitionen etwas gemeinsam: Es geht um Ziele und deren Erreichen.

Wir selbst sehen Erfolg zunächst auch so einfach, wie es Wikipedia oder die Duden-Redaktion schreiben: Erfolg ist das Erreichen von gesteckten Zielen. Jedoch wollen wir das aber noch etwas genauer definieren:

Erfolg ist das Erreichen von gesteckten Zielen innerhalb eines festgelegten Zeitraums

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Etwas genauer kann man das Ganze definieren, wenn man Erfolg als den Grad der Zielerreichung ansieht. Hierbei wären dann 100% gleich Erfüllung des gesteckten Zieles.

Wenn man zusätzlich noch den Aufwand mit in die Definition einfügt ergibt sich

Erfolg ist das Erreichen von gesteckten Zielen mit einem festgelegten Aufwand innerhalb eines festgelegten Zeitraums

In der Regel ist jedoch die obige abgespeckte Version der Erfolgsdefinition ausreichend.

Messen von Erfolg

Wer von Erfolg spricht, muss nicht nur die Ziele stecken (also definieren). Er muss diese Ziele messbar machen! Im Fachjargon: quantifizierbar.

Damit kommen wir dann in die Nähe der Definitionen bei Gabler oder Wirtschaftslexikon24.de. Ziele müssen so definiert werden, dass man diese anhand Merkmalen messen kann. Es können monetäre Definitionen sein, wie Umsatz, Kosten, Höhe der Einsparungen, Absatzmenge etc. Aber auch die Platzierung bei Sport, die Anzahl von Prämierungen bei den Oskar-Verleihungen. Genauso gut können es weiche Zielkriterien sein, die „nur“ binär (Ja oder Nein) zu messen sind.

Ziele, die nicht klar definiert sind, dass wenigstens letzteres erfüllen, sind keine Kriterien für Erfolg! Des Weiteren müssen Ziele für einen gewissen Zeitraum festgeschrieben (also postuliert) werden. Man darf sie innerhalb dieses Zeitraumes nicht verändern.

Hinsichtlich der Zieldefinition verweisen und zitieren wir hier einen unserer älteren Artikel

Ein Ziel ist der zukünftig zu erreichende (Ist-)Zustand. Auf das festgelegte Ziel ist das gesamte (geschäftliche) Handeln auszurichten.

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Vergleichbarkeit von Erfolg

Erfolg ist individuell! Und damit ist die Vergleichbarkeit schwer. Wer Erfolg vergleichen will, muss die Ziele erstens kennen und zweitens vergleichbar machen.

Zum Verständnis nehmen wir einmal die Fußballbundesliga. Zum Einen sieht der FC Bayern München eine Saison als erfolgreich absolviert an, wenn man neben der Meisterschaft, auch den DFB-Pokal und die Champions-League gewinnt. Sollte einer der letzten beiden Titel nicht gewonnen werden, nimmt man es noch hin. Gehen zwei Titel nicht in die bayerische Landeshauptstadt, dann ist das schon eine mittlere Katastrophe. Gewinnt man keinen dieser Titel, ist es der Weltuntergang (und alle möglichen Verschwörungstheorien werden entwickelt)-
Zum Anderen der Hamburger Sport-Verein (HSV). Hier wurde in den letzten Jahren von Erfolg gesprochen, wenn man egal wie und meist mit Hängen und Würgen den Klassenerhalt geschafft hat. Niemand wäre auf die Idee gekommen, vom Meistertitel zu sprechen oder gar von irgendeinem internationalen Auftritt (es sei denn irgendwelche vorsaisonalen Testspiele) zu träumen. Hier ging es lediglich um das Überleben in der 1. Liga!

Beide Ziele sind vollkommen anders definiert und daher nicht vergleichbar! Während dem einen es wichtig ist, alle Pokale der Wettbewerbe, an denen man teilnimmt, zu gewinnen, stecken sich andere ganz andere Ziele.

Wenn man nun über den Erfolg redet und diskutiert, muss man sich vorher bewusst werden, von was für Zielen man ausgeht. Denn wenn man auch über das gleiche Thema redet, kann es passieren, dass die Einschätzung des Erfolgs vollkommen anders ist. Dieses „Phänomen“ findet man oft in der Politik. Hier reden die einen von Erfolg bei irgendwelchen Verhandlungen (z.B. wenn’s ums Klima geht), während andere (meist die politischen Gegner) diese Verhandlungsergebnisse als totalen Misserfolg betrachten. Der Grund: Jeder hat eine andere Zielvorstellung! Diese decken sich einfach nicht.

Wer also Erfolg einzelner vergleichen will, muss im Vergleich die gleichen Zielkriterien ansetzen.

Aus diesem Grund halten wir Erfolgsbenchmarking für Schwachsinn, wenn man hier statistische Werte anderer verwendet. Denn in diesem Fall weiß man oft nicht, wie der Erfolg gemessen wurde. Welche Kriterien, Werte sind bei der Messung betrachtet worden? Wollen Sie Ihren Erfolg mit dem eines Wettbewerbers vergleichen, müssen Sie versuchen an die „Rohdaten“ (es können auch z.B. Bilanzdaten sein, soweit diese nach dem gleichen Handelsrecht veröffentlicht werden) desselben heranzukommen. Mit diesen Daten müssen Sie dann die Bechmarkwerte für sich ermitteln und den Vergleich zu sich selber anstellen.

Exkurs: Erfolg haben

Im Zusammenhang mit Erfolg redet man immer wieder von „Erfolg haben“. Im Rahmen der Suche nach Begriffsdefinitionen anderer, sind wir immer wieder auf Beschreibungen dieses „Erfolg haben“ gestoßen. Als lesenswerten – und damit empfehlenswerten — Artikel hat sich hierbei Erfolg haben von wikiHow herausgestellt. In diesem wird er nicht explizit definiert, sondern im Schwerpunkt erklärt, wie der Weg hin zur Zielerreichung zu gestalten ist.

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