Bewertungsanfragen sind Werbung

Für Gewerbetreibende gibt es immer mehr Fallstricke, über die man stolpern kann und die einem das Leben schwer machen. Dabei rechnet man nicht einmal unbedingt damit, dass man sich mit einigen Marketingmaßnahmen ganz schnell auf unsicherem Terrain befindet.

Jeder, der ein Geschäft hat, ist von Marketing und Werbung abhängig. Schließlich will man ja bekannt werden und bleiben. Daher muss man kommunizieren. Entsprechende Maßnahmen sind jedoch in der Regel sehr teuer und bringen nicht unbedingt den gewünschten Erfolg. Zu dem kommt, dass Studien aufzeigen, dass potentielle Käufer eher einer Empfehlung eines Freundes, Familienmitglieds, Bekannten oder gar einer unbekannten, jedoch realen, dritten Person trauen, als den vollmundigen, blumigen Versprechungen eines Werbespots oder einer Anzeige.

Was liegt also näher, als seine bestehenden Kunden dazu zu animieren, eine Empfehlung auszusprechen? Möglichst auf der Website des Unternehmens, in entsprechenden Portalen oder Marktplätzen, damit die Empfehlung möglichst eine weite Streuung erfährt. Denn viele positive Bewertungen führen recht wahrscheinlich zu mehr neuen Kunden.

Damit dies auch erfolgt – denn kaum ein Kunde wird es wissentlich von sich aus tun – müssen die Kunden angesprochen werden. Das ist relativ einfach, wenn man mit dem Käufer im Gespräch ist, beispielsweise während des Kassiervorgangs im Ladengeschäft. Was macht man aber beim Distanzvertrieb? Hier empfiehlt es sich, den Kunden irgendwann, wenn auch zeitnah, diesbezüglich anzusprechen. Also, da es einfach und kostengünstig ist, sendet man eine eMail. In der bittet man den Käufer / Kunden um eine Empfehlung.

Jedoch gilt Dank der deutschen Rechtsprechung: Per eMail versendete Bewertungsanfragen sind unerlaubte Werbung

Das ist aus kaufmännischer Sicht eigentlich vollkommener Schwachsinn. Denn wenn man den Käufer anschreibt und um eine Bewertung bittet, dann bewirbt man ihm gegenüber eigentlich weder sein Unternehmen noch irgendein Produkt. Man bittet im Rahmen einer Kunden(nach)betreuung um eine Aussage, ob dem Kunden Service, Preis, Ambiente etc. gefallen haben. Was soll daran Werbung gegenüber dem angesprochenen Käufer sein?

Jedoch sehen das (weltfremde?) Richter und auch Verbraucherzentralen anders. So urteilte das Amtsgericht Hannover (zitiert nach kostenlose-urteile.de)

Die Bewertungsanfrage habe […] Werbung dargestellt […]. Denn Umfragen zu Meinungsforschungszwecken lassen sich ohne Weiteres als Instrumente der Absatzförderung einsetzen.

Demnach sind Mails an Kunden, die zu einer Handlung auffordern, immer Werbung. Auch dann, wenn die Handlung des Kunden kein Kauf darstellt, sondern gegenüber anderen Kunden absatzfördernd eingesetzt werden kann. Damit definiert die Rechtsprechung Werbung anders, als es ein Kaufmann tun würde. Im Sinne der Rechtsprechung ist also jede Kommunikation, die man absatzfördernd einsetzen kann Werbung.

Daher lässt sich nur ein Handlungshinweis geben: Seien Sie im Falle von Bewertungsanfragen per eMail vorsichtig und wägen/klären Sie das rechtliche Risiko ab, bevor Sie diesen Weg gehen.

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