Folgen von handwerklichen Fehlern in der Werbung

Das Telefon klingelt im Marketing. Frau M. nimmt den Anrufer entgegen. Am anderen Ende ist Herr F. „Guten Morgen, F., Controlling“, poltert es aus dem Hörer, “ wer hat die Kampagne XYZ zu verantworten. Ein absoluter Flopp. Reine Geldverschwendung. Ich erwarte binnen zwei Stunden eine fundierte Begründung.“ Nach der Schockstarre im Marketing beginnt das hektische Suchen nach Gründen. Das Begründen, warum die Kampagne in die Hose ging. Usw.

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? So oder so ähnlich passiert es täglich in Unternehmen. Egal welcher Größe.

Aufgrund eines solchen Anrufs wird fieberhaft nach dem Grund gesucht. Zahlen werden durch gesehen: Wie war der Asatz vor der Kampagne? Wie hat sich der Umsatz danach entwickelt? Hat man Kunden gewonnen? Etc. Aber nahe liegende Dinge sucht man, da aufgescheucht, nicht.

Was man online machen kann, kann einem auch bei der klassischen Werbung passieren: Handwerkliche Fehler.

handwerklicher Fehler: Mißachtung von Veröffentlichungszeitpunkten

Wer online Werbung schaltet, hat’s einfach! Einfach gesagt: Kampagne gestalten, Werbung raushauen und zum Kampagnenende wieder einstellen.

So einfach geht das in den klassischen Werbewegen nicht. Hier muss man auch auf zeitliche Restriktionen achten. Ansonsten passiert das:

Beispiel von schlechtem Timing geschalteter Werbung: Printmedium wurde am Samstag 29. August 2015 verteilt

Schlechtes Timing geschalteter Werbung: Printmedium wurde am Samstag 29. August 2015 verteilt; Angebot gilt jedoch nur bis zum nächsten Tag (ein Sonntag!)

Diese Beilage der von der Post verteilten Werbeprospekte landet immer samstags im Briefkasten. In diesem Beispiel bekamen die Empfänger dieses Werbung genau am Samstag, den 29.8.2015, zugestellt. Also genau einen Tag vor Angebotsende, welches auf einen Sonntag fiel.

Bekanntermaßen ist Samstag, und vor allem der Samstagnachmittag, ein Banktag. Folglich hatten interessierte Kunden ausreichend Zeit in eine Filiale zu stürmen und einen Kredit zu beantragen.

Wie Sie erkennen, reine Ironie. Und dass die Werbung nichts weiter produziert hat, als Kosten, ist mehr als offensichtlich.

Was ist falsch gelaufen?

Es gibt mehrere Punkte, die in der Beispielkampagne von vornherein nicht richtig bedacht worden sind:

1. Zeitpunkt der Veröffentlichung zum Ersten
Vollkommen über sehen wurde, bis wann das Angebot Bestand haben sollte. Die Anzeige hätte folglich früher geschaltet werden müssen, nicht erst einen Tag vorher

2. Zeitpunkt der Veröffentlichung zum Zweiten
Nicht nur, dass die Annonce zeitlich zu dicht am Aktionsende liegt, es wurde auch nicht darauf geachtet, an welchem Wochentag die Anzeige veröffentlicht wird und an was für einem Wochentag die beworbene Aktion abläuft.

3. Veröffentlichungsdatum
Klassische Werbeträger, insbesondere Printmedien, unterliegen eigenen Veröffentlichungsterminen. Dieser wurde in der Planung nicht berücksichtigt.

Handwerklicher Fehler: Mißachtung der Zeit zum Registrieren der Werbebotschaft / der Werbeziels

Am Weltfriedenstag 2015 lief folgende Werbung in im TV. Schauen Sie sich den Film einfach mal an. Stellen Sie sich dabei vor, dass dieser Spot zwischen anderen Produktanpreisungen läuft.

Und nun beantworten Sie die Fragen: Wer wirbt hier eigentlich? Um was geht es eigentlich? Und was soll man machen?

Können Sie die Fragen beantworten?

Also, der Trickfilm soll den Betrachter animieren, Geld für das Welternährungsprogramm zu spenden. Von Hunger und Ernährung wird jedoch nur in den ersten 5 Sekunden und in der 20. Sekunde gesprochen. Ansonsten nur von anderen Themen. Dies bekommt man noch soweit mit. Jedoch wohin sollen wir spenden?

Lediglich 3 Sekunden werden dem Betrachter gegeben, um a) zu erfassen, dass es sich ums Welternährungsprogramm handelt und b) eine Internetadresse zu erfassen und zu speichern. Keine Bankverbindung. Nichts.

Das Problem

Wo liegt hier das Problem, werden Sie sich fragen: Das Problem liegt auch hier wieder im zeitlichen Faktor. Dem Betrachter wird keine Zeit gegeben, genau zu erfassen (registrieren) um was es geht. Hat er es erfasst, bleiben ihm noch ganze 5 Sekunden, um eine Internetadresse für eine spätere Handlung zu speichern. Sehr wenig Zeit.

Hinzukommt, dass der Spot lediglich am Weltfriedenstag (20.9.2015) lief. Also wenig bis keine Wiederholungen, so dass er sich nicht beim abgelenkten Fernsehzuschauer ins Gedächtnis brennen konnte. Auch war die Reichweite aufgrund der Ausstrahlung an einem bestimmten Tag verhältnismäßig gering.

Es ist anzunehmen, dass aus diesem Spot — stammt scheinbar vom World Food Program (WFP), wurde aber von McDonalds Burger King und anderen bezahlt – nicht unbedingt übermäßig viel mehr Spenden generiert werden konnte. Somit wären auch hier nur Kosten produziert worden, bei einem geringen bis keinem Werbeerfolg.

Handwerklicher Fehler: Rechtschreibung

Jüngst ging durch die Fernseh und Printmedien sowie die Netzwerke, dass dem Handy Hersteller Huawei auf einem Großplakat in Berlin gravierende Rechtschreibfehler unterlaufen seien.


Auch wenn man ansich keine bessere Presse für die Werbung bekommen konnte, denn durch die Fehler bekam man Dank der Medien mehr Reichweite und Aufmerksamkeit, als die Kampagne jemals erreicht hätte, bleibt doch ein Nachgeschmack fehlender Professionalität. Wir alle sind nicht fehlerfrei, dennoch sollten gerade Rechtschreibfehler in Anzeigen ausgeschlossen werden. Und zu dem ist es verwunderlich, dass solche überhaupt auftreten, da eigentlich die Werbung vor Ihrer Freigabe durch etliche Hände geht, die diese sich ansehen.

Aber auch hier zeigt sich, dass man beim Werben handwerkliche Fehler begehen kann, deren Folgen nicht unbedingt absehbar sind.

Handwerklicher Fehler: falsche Sprache

Abschließend noch ein Hinweis auf die verwendete Sprache. Es ist gut und schöne (wir sind hiervon jedoch keine Liebhaber), wenn man global denkt und sich englischer Begriffe und Slogans bedient. Jedoch birgt das die Gefahr, ob wohl viele die Sparache an sich kennen und verstehen, mißverstanden zu werden.

Hier sei an den schon einige Jahre alten und nicht mehr verwedenten Slogan der Parfümerie-Kette Douglas erinnert.

Come in and find out.

Dieser Slogan wurde von einer nicht unerheblichen Zahl von Menschen mit deutscher Muttersprache in

Kommen Sie rein und finden Sie wieder raus.

übersetzt. Eine bekanntermaßen erhebliche Mißdeutung der Aussage des englischen Satzes.

Daher ist es empfehlenswert, trotz aller Globalisierung, sich der Sprache zu bedienen, die in dem Land auch muttersprachlich gesprochen wird. (Ausgenommen natürlich, dass man nur eine fremdsprachliche Bevölkerungsgruppe in dem Lamd ansprechen will.)

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