Zwei sagen das Gleiche

Der letzte Artikel hat eine Reaktion einer der im zitierten Artikel bei W&V interviewten Personen hervorgerufen, auf die ich an dieser Stelle reagieren möchte. Zumal ich nach mehrfachem Lesen zu der Meinung gelangt bin, dass hier der Kritiker meines Artikels etwas „in den falschen Hals bekommen“ hat – oder besser mißverstanden hat. Aber auch musste ich feststellen, dass unsere beiden Aussagen nicht unbedingt so gravierend unterschiedlich sind.

Soll man bei einem Shitstorm in Starre verharren?

Definitive Antwort: Nein! Persönlich halte ich es für den falschen Weg! Denn Schweigen ist in der Regel einer der schlechteren Wege und führt im schlimmsten Fall zu einer Verschärfung der Krise.

Genauso wenig, wie das Erstarren und Verkriechen in den Kaninchenbau, das Zetern über die schlimmen Sozialen Netzwerke der richtige Weg ist, ist jedoch auch das hektische Reagieren auf einen potentiellen Shitstorm richtig. Denn ist das, was sich zusammenzubrauen andeutet, wirklich eine Krise? Oder ist es nur ein laues Lüftchen? Und will man die entstehende Krise nicht noch mehr zu seinen Ungunsten verschärfen, ist es ohnehin sinnvoll, zwar schnell und zeitnah zu reagieren, jedoch auch einen klaren Kopf zu bewahren und so ein entsprechendes ruhiges Vorgehen an den Tag zu legen.

Jegliches Vorgehen gegen eine Shitstorm setzt voraus,

– dass man diesen als solchen erkennt,
– dass man die relevanten Ursachen erkennt sowie
– dass man eine entsprechende Lösung erarbeitet, um den Entrüstungssturm einzudämmen.

Und natürlich die Entscheidung, wie man reagiert.

Dies ist auch ein Grund, warum erst heute eine Reaktion auf das Posting von Herrn Ebner erfolgt.

Mein Ratschlag zum Abflauen der Sturmböe

Die von Herrn Ebner vorgebrachte Aussage, dass es sich bei dem von Facebook-Mitgliedern kritisierten Einspieler um Satire handelte, ist zwar richtig, schützt aber vor einer Reaktion des Senders gegenüber der Öffentlichkeit nicht. Schließlich – aber darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen – sind auch satirischen Beiträgen Grenzen durch Menschenreche oder unser Grundgesetz gesteckt.

Daher wäre eine (knappe) öffentliche Entschuldigung des Senders grundsätzlich nicht falsch gewesen. Die verantwortlichen Social Media Redakteure hätten so kurz, schnell und schmerzlos den Kritikern den meisten Wind aus den Segeln genommen und die Wogen geglättet.

Durch meinen Artikel und dem Posting von Herrn Ebner sind wir auch in etwas unruhiges Fahrwasser geraten. Auch hier gilt, nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern reagieren. Richtig- bzw. klarstellen, was falsch verstanden wurde. Wogen glätten.

Wo liegt der Unterschied in den getroffenen Ausssagen zum Shitstorm?

Nach mehrfachem Lesen seine Postings muss ich feststellen, dass im Grunde unsere beiden Positionen hinsichtlich eines Verhaltens bei einem Entrüstungssturm, wenn auch anders formuliert, nicht bzw. nicht gravierend unterscheiden. Der einzige Unterschied ist der, dass ich explizit gesagt habe, ein Aussitzen könnte unter gewissen Voraussetzungen eine mögliche Option sein. Herr Ebner dagegen, zweifelt zwar ein Aussitzen als möglicherweise ideale Möglichkeit an, liefert aber gleichzeitig eine Begründung für diese Option. Dabei untermauert er diese Option anhand von Zahlen (auf welche ich nicht weiter eingehen möchte, da er diese Untermauerung selbst nicht ganz empirisch richtig ansieht) und kommt zu dem Schluss, dass bestimmte Gründe, wie z.B. „ein geringer Beliebtheitswert“, einen Shitstorm verhindern.

Nichts anderes habe ich mit meiner Aussage gesagt, als ich feststellte, dass bei Klein- und mittelständischen Unternehmen mit (verhältnismäßig) geringen Fan- und Followerzahlen ein möglicher Shitstorm schnell im Sande verlaufen kann und daher vielleicht keine eigene offensiven Gegenmaßnahmen nötig sind.

Daher mag ich einen grundsätzlich inhaltlichen Unterschied zwischen den beiden Aussagen nicht erkennen.

Schlechte Werbung ist auch eine Werbung?

Herr Ebner stört sich auch an der Aussage, dass „schlechte Werbung auch eine Werbung“ (also Negativwerbung) sei. Man kann ihm nur zustimmen: Es sollte für niemanden – weder für eine natürliche Person, noch für eine juristische –wünschenswert sein, durch einen Aufschrei der Empörung Bekanntheit zu gewinnen. Und es sollte niemandes Ziel sein, einen Empörungsaufschrei zu provozieren.

Dennoch ist auch diese Art von Werbung nicht unbedingt negativ zu sehen. Und hierfür gibt es genügend Beispiele vor allem in der Musik- und Filmszene, in der mit einem gut lancierten Skandälchen (definitiv an sich Negativwerbung) kurz vor Verkaufsbeginn einer neuen CD oder der Filmpremiere auf einen Künstler aufmerksam macht. Hier sei nur auf die jüngsten Meldungen hinsichtlich einer skandalös rekelnden und nackten Miley Cyrus erinnert.

Auch der Aufschrei über die Schock-Werbung eines italienischen Modeherstellers in den 80er Jahren, welcher wochenlang in den Zeitungen, Magazinen und Fernsehen am Leben gehalten worden ist, war in gewisser Hinsicht positive Werbung und von den Verantwortlichen (wenigstens zum Teil) gewollt, da durch diesen damaligen Shitstorm der Markenname einer viel breiteren potentiellen Käuferschicht bekannt geworden ist.

Dass eine so erworbene größere Bekanntheit nicht unbedingt zu mehr Umsatz und Marktanteil in Deutschland führt, ist dabei die (schwerwiegendere) Kehrseite der Medaillie.

In wie weit ein solcher Weg fürs Marketing sinnvoll und gewünscht ist, müssen die Verantwortlichen selbst entscheiden. Sollte es nicht so sein (damit schließt sich wieder der Kreis), bleibt eine wie auch immer geartete Reaktion zum Gegensteuern unabdingbar.

Fazit

Die Empörung des Herrn Ebner lässt sich aus meiner Sicht nicht ganz nachvollziehen. Schließlich sagen wir im Großen und Ganzen hinsichtlich des Themas Shitstorm das Selbe. Auch gehen wir beim Thema „schlechte Werbung“ dakor.

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