„Verhandlungssicher“: Wie definiert man diesen Begriff?

Meine Artikelserie „Zahlen und Fakten zum Sprachenlernen“ beschäftigt sich mit Fragen rund um das Lernen von Fremdsprachen:

  • Was sagt „verhandlungssichere“ Sprachkompetenz wirklich aus?
  • Wie kann man sprachliche Kompetenz messen?
  • Wie lange braucht man um eine neue Sprache zu meistern?
  • Wie lernt man eine Fremdsprache am besten? Was klappt? Und was ist Hokuspokus?
  • Was sind die realistischen Kosten?

Mithilfe aktueller Ergebnisse aus Studien und Forschung, sowie meinen persönlichen Erfahrungen aus über 21 Jahren Führung der „Englisch nach Maß GmbH“ möchte ich diese Themen veranschaulichen, Fragen beantworten und eine sachliche Erwartungshaltung für das Lernen von Fremdsprachen schaffen.

Wie definiert man „verhandlungssicher“ in einer Sprache?

Folgende Angaben hören wir oft in Kundenberatungen und Gesprächen:

  • „Wir sind von einer amerikanischen Firma gekauft worden, sprechen alle aber nur Schulenglisch. Unser Englisch ist keinesfalls verhandlungssicher“.
  • „Ich habe eine neue Stelle und muss zukünftig verhandlungssicher auf Englisch verhandeln“.
  • „Wir rekrutieren ausländische Fachkräfte, die alle verhandlungssicher Deutsch sprechen müssen“.
  • „Wir suchen Personal mit verhandlungssicheren Französischkompetenzen“.

Was ist die Bedeutung von „verhandlungssicher“ in diesem Kontext? 

„Verhandlungssicher“ wird zwar häufig verwendet, erlaubt aber dennoch keinerlei zuverlässige Aussage über die erforderlichen bzw. vorhandenen fremdsprachlichen Kompetenzen. Eine Festlegung von Sprachkompetenz als „verhandlungssicher“ ist komplett subjektiv und in keiner Weise messbar.

Praxisbeispiele:

  • Falsch gedeuteter Wortschwall: Oft wird müheloses, freies Sprechen als gute, sprachliche Kompetenz missverstanden. Man meint, der Redeschwall sei „verhandlungssicher“. Das ist allerdings ein Irrtum. Leider gibt es viele Menschen, die flüssig, mühelos und FALSCH in einer anderen Sprache sprechen.
  • Zögerndes Sprechen mit hoher Konzentration: Mancher Mensch spricht langsamer, wägt seine Worte gründlich ab und überlegt sorgfältig bevor er sich artikuliert. Die daraus resultierenden Aussagen sind dann indes überwiegend richtig. Diese Sorte der Kommunikation wird vielfach als „schlecht“ oder „nicht verhandlungssicher“ bewertet.

Hier findet sich das Kernproblem mit der Auslegung „verhandlungssicher“: Diese ist nämlich an keinerlei messbare Fähigkeiten gekoppelt und daher in keiner Weise als Messlatte sprachlicher Kompetenzen tauglich.

Was ist denn dann „verhandlungssicher“, wenn „freies, flüssiges Reden“ keine zuverlässige Indikation echter Sprachkompetenz ist? Die Antwort folgt im nächsten Artikel.

Im nächsten Artikel: Wie misst man Sprachkompetenz verlässlich?

Quellen:

http://linguistlist.org/ask-ling/lang-acq.cfm, Pecchi, Jean Stillwell. 1994.
Child Language. London: Routedge, Bongaerts, T. (2005).
Introduction: Ultimate attainment and the critical period hypothesis for second language acquisition. International Review of Applied Linguistics in Language Teaching, pushtolearn.com, Eaton, S. E. (2012).
How will Alberta’s second language students ever achieve proficiency? ACTFL Proficiency Guidelines, the CEFR and the “10,000-hour rule” in relation to the Alberta K-12 language-learning context. Notos, 12(2), 2-12, www.state.gov/m/fsi/sls/c78549

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