Warum der „Black Friday“ bei uns nicht funktioniert

Seit einigen Jahren versuchen Teile des Einzelhandels bei uns die Rabattaktionstage Black Friday und Cyber Monday erfolgreich zu implementieren und so das Weihnachtsgeschäft einzuleiten.

Jedoch, im Vergleich der jährlich gezeigten Bilder läuft das Geschäft mit den Rabatten zu den Tagen bei uns nicht. Die Kunden sind weit davon entfernt, sich um die Angebote im wahrsten Sinne des Wortes zu prügeln.

Dass von dem Black Friday in der aktuellen Art nichts zu erwarten ist erkennt man auch an der Aussage wie der Schwarzer Freitag-Umsatz 2017 gewesen sein soll: Laut Pressemeldung sei im Schnitt pro Kunde an dem Tag 310 EUR mehr umgesetzt worden als an ’normalen‘ Geschäftstagen. Wen man bedenkt, was Elektronik (Fernseher, Handys, Computer etc.)und Technik (Waschmaschinen, hochpreisige Kaffeemaschinen etc.) kosten, gab es zwar einen Verkaufsanstieg, jedoch hat höchstens jeder 2. Kunde mehr ausgegeben.

Das dieser — wir nennen es mal — Misserfolg, auch wenn die Branche in verhaltenem Jubel ob der kurzfristigen Umsatzsteigerung ausbricht von der Übersättigung des Marktes herrührt lässt sich nicht begründen. Denn die Konsumgesellschaft ist an sich in den USA stärker ausgeprägt als bei uns.

Wir haben uns daher einige Gedanken gemacht, was denn dann die Ursache sein könnte. Diese Gedanken sollen Ihnen als Anreiz dienen, um die nächste ‚Schwarze Freitag‘-Kampagne auf erfolgreichere Füße zu stellen.

Kulturelle Gründe

Der Schwarze Freitag wurde irgendwann in den letzten Jahren aus den USA importiert. Ein Tag, an dem man mit Super-Schnäppchen dazu gebracht werden soll, einzukaufen.

Er wurde einfach in den deutschen Markt gedrückt. Plötzlich war er da. Jedoch im Gegensatz zu den US-Amerikanern ist der Aktionstag vollkommen ohne Zusammenhang. Im Gegensatz zur USA: Dort steht der Schwarze Rabatt-Freitag nämlich in direkten Zusammenhang mit Thanksgiving. Dem Feiertag, an dem man der Ankunft der Pilgrims gedenkt, der eigentlich wichtiger ist als unser Heiliger Abend und an dem man sich reich beschenkt.

in diesem Fall beschenkt der Handel den Kunden mit extrem vergünstigten Preisen.

Der Begriff ‚Black Friday‘, als Schwarzer Freitag, ist zu dem bei uns in Deutschland extrem negativ belastet. Seit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren steht der Name für Börsencrash.

Die Adaption des Namens auf einen Preissturz liegt zwar sehr nahe, kollidiert aber mit der bei uns verwurzelten Angst vor Wirtschaftsabschwung, Hyperinflation und Arbeitslosigkeit, wen der Begriff genannt wird.

Mangelhafte Umsetzung

Savon ausgehend, dass man diesen Tag einfach so adaptieren und in Deutschland einführen kann, hat man sich bezüglich vorgenanntem keine Gedanken gemacht.

Bilder von in die Kaufhäuser stürmenden Kunden sind auch in Deutschland möglich. Wie hatten sie sogar schon einmal, damals mit dem Sommer- und dem Winterschlussverkauf (SSV bzw. WSV). Es liegt also nicht daran, dass der Kunde zu träge oder gesättigt ist, um auf solche Nachlassaktionen zu reagieren.

Es ist eher darauf zurückzuführen, dass diese Aktionstage vollkommen unbekannt sind. Für den Kunden ist es nicht nachvollziehbar, warum irgendein Tag im Jahr plötzlich als Schnäppchentag gehypt wird. Schließlich gibt es ständig bei irgendwem irgendwann Rabatte. Und warum der Tag dann so einen Namen bekommt.

De Tag steht in direkter Konkurrenz mit dem immer noch existierenden obwohl offiziell abgeschafft SSV und WSV, mit den Mittwochdeals, den Fastagen und den Modesalon Sales. Er ist für den Kunden lediglich ein weiterer Tag, an dem irgendein Verkäufer seine Ware versucht preislich günstiger an den Konsumenten zu bringen.

Werblicher Druck hilft da nichts, solange die Angesprochenen da keinen Vorteil sehen. Ist ja schön, wenn überall vom Black Friday gesprochen wird, aber dem Käufer nicht gesagt wird was das ist; welchen Nutzen er hat

Rabatte halten nicht was sie versprechen

Ein Problem neben der Umsetzung und der Kultur ist die Preisgestaltung selber. Rabatte locken immer Käufer hervor. Das ist ein Grundgesetz des Wirtschafslebens. Aber die Nachläse müssen wirklich vorhanden sein, ansonsten passiert gar nichts.

Studien von Preisvergleichsportalen oder Verbraucherschützern zeigen auf, dass dieser Schwarze Freitag nicht durchgängig Schnäppchen-Preise hervorruft. So hat Netzsieger in einer Studie über mehrere Wochen vor dem Schwarzen Freitag Preisentwicklungen einzelner Artikel bei diversen Händlern angesehen und festgestellt, dass bei Elektronik und Technik starke Preisschwankungen vorliegen. Die Folge: in den vier beobachteten Wochen wurden einzelne Artikel günstiger angeboten, als am Black Friday. Auch preisvergleich.de deckte auf, dass in nicht wenigen Fällen die scheinbaren Angebote teurer oder gleich teuer waren zu Verkäufern, die offiziell nicht an dem Aktionstag teilnahmen.

Da der Kunde immer bessere Möglichkeiten hat, Preise zu vergleichen, und seine Bindung zu einem bestimmten Anbieter oder einer bestimmten Marke immer loser wird, sind solche Scheinangebote nicht zielführend.

In die gleiche Kerbe schlägt auch die Feststellung, dass die ausgewiesenen Nachlässe nicht wirklich existieren. Sie stellen eine — wenn auch legaler Versuch — bewußte Irreführung des Käufers dar. Wenn Sie mit 75% Rabatt werben, diesen jedoch nicht auf Ihren bisherigen Ladenpreis rechnen sondern auf die Unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers, suggerieren Sie Nachlässe, die es nicht gibt. Schließlich wird der Ladenpreis mit großer Wahrscheinlichkeit unter der UVP gelegen haben.

Ein weitere Punkt ist das beliebte ‚bis zu‘. Es besdeute für den Kunden nichts weiter, als dass irgendwo in Ihrem Sortiment irgendein verhältnismäßig uninteressanter Artikel mit dem genannten Nachlaß verkauft wird.

Preise sind zu hoch

Mit dem Black Friday will man eigentlich zwei Ziele erreochen:

  1. Lager(über)bestände in kürzester Zeit abbauen
  2. Kunden zum Kaufen animieren.

Vorgenanntes zeigt jedoch, dass die Adaption dieses Tages in Deutschland lediglich das zweite Ziel verfolgt. Mit einer (nennen wir es einmal) Pseudo-Verkaufsaktion sollen Kunden verleitet werden, zu kaufen. Lagerbestandsabbau ist hier lediglich nachrangiges Ziel.

Aus diesem Grund sind die Preise der Artikel auch nicht verlockend. Was wiederum nur bedingt Kunden in das Geschäft zieht.

Wenn Sie z.B. ein Handy normal für 699 EUR verkaufen, Den Preis während dieser Aktion auf 659 EUR oder gar auf 599 EUR reduzieren, werden Sie zwar Kunden locken. Aber nicht unbedingt mehr als bei ihren sonstigen unterjährigen Preisreduzierungen, bei denen Sie das Gerät auch schon für 659 EUR verkauft haben.
Bieten Sie das Teil jedoch mit 199 EUR an, werden Sie auch bei uns Bilder wie in den USA produzieren. Und haben in kürzester Zeit die Bestände abgebaut

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